FKK – Nacktsein als Lebenseinstellung

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Geschichte der Freikörperkultur

Geschichte der Freikörperkultur

Unterschiedlichste politische und weltanschauliche Richtungen haben im Laufe der Zeit die Ideologie der sogenannten Naturisten beeinflusst. Sowohl bürgerlich-mondäne, als auch sozialdemokratisch-proletarische und völkisch-nationale Gruppierungen nahmen sich der Freikörperkultur an und passten sie an ihre Ideologien an.

Die Freikörperkultur entstand erstaunlicherweise in Deutschland vor mehr als hundert Jahren. Der Gedanke hinter dem Nacktsein war nie erotischen Hintergrunds. Es ging immer um die Erfahrung des eigenen Körpers mit der Natur. Der Anfang der deutschen Freikörperkultur lässt sich im Berlin der Jahrhundertwende festmachen.

Junge Leute, die in industrialisierten Großstädten zwischen Steinwüsten und harter Arbeit aufwachsen, sehnen sich nach neuer Freiheit. Sie wollen sich aus den gesellschaftlichen Zwängen befreien, gehen in die Natur und entdecken das Nacktsein für sich. Dem Baden in Licht, Luft und Sonne schreiben sie eine gesundheitsfördernde Wirkung zu.

Doch die Nackten an den Brandenburger Seen stoßen auf breite Ablehnung. Moralische Bürger fürchten den Verfall der Sitten und das obwohl die Anhänger dieser Bewegung ganz und gar keine unreinen Hintergedanken haben. Vielmehr wollen sie sich gegen körperfeindliche Kleidungsmoden und katastrophale soziale und hygienische Bedingungen in den aufstrebenden Großstädten wehren.

Ausbruch aus bürgerlichen Zwängen

Die jungen Menschen wollen nackte Körper nicht mehr als Grund für Schamgefühle ansehen. In den Anfängen treffen sich etwa dreißig Männer und ein paar Damen aus allen Ständen und Altersschichten in abgetrennten Geländen oder Wohnungen um die neue Lebensart auszuprobieren. Man folgt einem Gesellschaftsideal ohne Alkohol, Tabak und Unsittlichkeiten. Die FKK-Anhänger verschreiben sich außerdem dem Vegetarismus und achten auf die gesundheitlichen Aspekte ihrer Kleidung und Wohnungen.

In den zwanziger Jahren blüht die Bewegung auf und es entstehen FKK-Vereine weit über Berlin hinaus. Der Titel einer damaligen FKK-Zeitung wird zum Motto einer Philosophie „Wir sind nackt und nennen uns DU.“

Schund und Schmutz

Einen großen Rückschlag erleidet die FKK-Bewegung mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Sie verbieten das Nacktbaden und die FKK-Verbände werden aufgelöst. Die meisten Vereine passen sich jedoch schnell an und verbieten Juden und anderer „Nicht-Arier“ den Beitritt. Mitten im Zweiten Weltkrieg wird der FKK-Bund „Bund für Leibeszucht“ ins Leben gerufen, der alle FKK-Vereine gleichschaltet. Sein Ziel ist die „rassische, gesundheitliche und sittliche Hebung der Volkskraft“. Dank einer „Polizeiverordnung zur Regelung des Badewesens“ wird auch das Nacktbaden an bestimmten Strandabschnitten wieder legal.

Nach dem Krieg wird die NS-Organisation „Bund für Leibeszucht“ sofort aufgelöst und verboten. Die so genannten Naturisten sind nirgendwo mehr gern gesehen. Man versucht zwar die FKK-Bewegung wiederzubeleben, das Moralverständnis in der Adenauer Ära ist allerdings zurückhaltend. In der Bundesrepublik Deutschland wird sogar das sogenannte „Schund- und Schmutzgesetz“ proklamiert, das die Veröffentlichung von FKK-Zeitschriften verbietet. Vereine werden zwar ab 1946 nach und nach wieder zugelassen, allerdings sind sie von der Gesellschaft nur ungern gesehen.

Wilde Badeplätze

In der DDR ist die Bildung von FKK-Vereinen verboten. Die wenigen freigegeben Nacktbadestrände sind allerdings hoch frequentiert. Zuerst werden FKK-Anhänger von nicht freigegebenen Geländen vertrieben und strafrechtlich verfolgt, doch bald duldet man sie und immer mehr „wilde“ Badeplätze werden rechtlich anerkannt.

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Ab Mitte der 60er Jahre wird die FKK für viele Menschen zu einem selbstverständlichen Bestandteil ihrer Freizeit und die Bewegung erfährt ihren vorläufigen Höhepunkt.

Die Freikörperkultur genießt höhere gesellschaftliche Akzeptanz und das Nacktsein wird nicht nur als Urlaubsvergnügen praktiziert sondern entwickelt sich zu einer unorganisierten Massenbewegung.

Nicht nur abgegrenzte Gelände sondern auch Naherholungsgebiete und städtische Grünanlagen werden von Nackten erobert. Die ursprüngliche, lebensverändernde Einstellung tritt dabei allerdings in den Hintergrund.

Nicht bloß Nackte

Heute sind in Deutschland rund 60.000 Menschen Mitglieder eines FKK-Vereins. Was viel klingt ist im Vergleich zu den Siebziger Jahren, als 150.000 Naturisten Mitglied eines Vereins waren, eine relativ geringe Anzahl. Verbände leiden zunehmend an Mitgliederschwund und einer Überalterung. Es bräunen sich zwar mehr als 12 Millionen Deutsche im Urlaub nahtlos, also nackt, doch dies heißt noch lange nicht, dass sie auch Anhänger der Freikörperkultur sind.

Die Anhänger der FKK wollen sich eindeutig von den Bloß-Nackten abgrenzen. Sie lehnen es ab mit dem Begriff Nudisten bezeichnet zu werden und akzeptieren lediglich die Bezeichnungen FKKler oder Naturisten. Ihrer Meinung nach legen Nudisten Wert auf die Zur-Schau-Stellung des eigenen Körpers, was für FKKler eindeutig nicht zutrifft. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der gesunde Lebensform.

In der Föderation der internationalen Naturalisten heißt es: Naturismus ist eine Lebensart in Harmonie mit der Natur, die in der gemeinschaftlichen Nacktheit zum Ausdruck kommt.

Sportliche Betätigung, eine gesunde Lebensweise aber auch eine gewisse Form des Umweltschutzes sind wesentlicher Teil der FKK und Unterschied zu Nichts-als-Nackten.

[kate]

Linktipps:

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