Dessous – Geschichte einer Verführung

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Ein Hauch von Nichts für die Fantasie

Ein Hauch von Nichts für die Fantasie

„Darunter“ bedeutet das aus dem Französischen stammende Wort „Dessous“ ursprünglich. Heute ist das „darunter“ manchmal auch darüber: Push-ups und Tangas werden mit Miedern und Korsagen gemixt. Alle Möglichen Materialien, wie Seide, Lack, Leder oder Pelz sorgen für immer wieder überraschende Momente der Enthüllung. Bevor die Dessousmode allerdings so flexibel und risikofreudig wurde, wie wir sie heutzutage antreffen, musste sie einige Schwierigkeiten über Jahrhunderte hinweg überstehen. Reisen wir also zurück und widmen uns der Geschichte von BH, Tanga und Slip.

Ob sich Steinzeitfrauen schon in heiße Säbelzahntigerunterwäsche gezwängt haben um ihre Männer verrückt zu machen oder ob sie ihre Unterwäsche eher aus praktischen Gründen getragen haben? Wir wissen nur, dass sich Menschen bereits vor 20.000 Jahren mit einem Lendenschutz verhüllt und so ihre Genitalien vor Gefahren geschützt haben. Über den Sexappeal urzeitlicher Dessous sind leider keine Überlieferungen vorhanden, trotzdem lässt sich die Geschichte von Unterwäsche über Jahrtausende zurückverfolgen.

Ägypter, Griechen, Römer: Der erste BH und Slip

Beginnen wir im alten Ägypten. Für die Menschen ist Unterwäsche vielmehr Gebrauchsgegenstand als modisches Element, jedoch ist auf Zeichnungen zu erkennen, dass sich die alten Ägypter unterschiedlich lange Schürzen um die Hüften gebunden haben. Die Länge des Schurzes hing vom gesellschaftlichen Stand des Trägers ab. Angehörige der oberen Bevölkerungsschichten tragen knielange Schurzen, die fein gefaltet und kunstvoll drapiert sind. Menschen, die ihren Schurz nur kurz und glatt um die Hüften gebunden haben, sind sofort als Menschen von niederem Stand zu erkennen.

Das erste Kleidungsstück, das als BH klassifiziert werden könnte, taucht im alten Griechenland auf und wird Strophium genannt. Frauen tragen eine Brustbinde, die aus Stoff oder Leder gefertigt wird, um die Brust besser zur Geltung zu bringen.

Auch die Römer rund um Christi Geburt tragen eine Brustbinde, allerdings ist damals – im Gegensatz zu anderen Epochen, wie auch heute – ein flacher, kleiner Busen modern. So binden sich die damaligen Frauen die Brust so ab, dass ihr Busen möglichst klein aussieht. Doch auch in Sachen Slip sind die Römerinnen revolutionär: Reiche Damen tragen ein Tuch, hauptsächlich zum Baden und Sport, das seitlich an der Hüfte vernäht oder verknotet ist.

Wer schön sein will muss leiden

Machen wir jetzt einen großen Sprung über Jahrhunderte hinweg und wir finden uns in der Renaissance wieder – in der Zeit der Wespentaillen und breiten Hüften. Frauen höheren Standes werden Tücher wulstartig umgebunden, um ihre Hüften auffallend in Szene zu setzen. Ob man dieses Kleidungsstück als Unterwäsche bezeichnen kann, bleibt dahingestellt. Dieses klobige Wäschestück wird glücklicherweise im 17. Jahrhundert vom Reifrock abgelöst, welcher wesentlich praktischer ist. Den Reiz der Weiblichkeit macht damals aber vor allem die schmale Taille aus, die durch einen Vorläufer des Korsetts gesichert wird. Die damalige Schnürbrust ist zwar nicht bequem, allerdings bringt sie die breiten Hüften noch besser zur Geltung. Wer schön sein will, musste eben damals schon leiden!

Im 19. Jahrhundert wird das Schnürkorsett vom bequemeren Mieder abgelöst. Über Unterröcken tragen Frauen weiche Röcke. Ab 1876 setzt der Boom der Trikotindustrie ein, welcher eine Revolution in Sachen Unterwäsche einläutet. Das Korsett wird erstmals in zwei Teile geteilt, was den Damen einen größeren Bewegungsspielraum gibt – der Büstenhalter ist erfunden. Um den Problemzonen mehr Halt zu geben, finden auch Hüftgürtel und Strumpfbänder in die Kleiderkästen der chicen Damen des 19. Jahrhunderts Einzug.

Um die Jahrhundertwende machen Korsetts den modebewussten Frauen das Leben schwer. Sie bringen den Körper in eine S-Form: Brust raus, Bauch und Po nach hinten, was beim Sitzen wahrlich nicht das Bequemste ist.

Die pastellen Zwanziger

In der Zeit um 1920 wird lange, schwere Unterwäsche endgültig verbannt. Unterwäsche wird knapper und die selbstbewussten Damen wollen Bein zeigen, wenn sie mit Zigarette im Mund und weitem Ausschnitt einen munteren Charleston tanzen. Endlich wird auch das ewig triste Weiß durch neue Pastellfarben ersetzt. Rauchblau, lindgrün, rosé und der fetzige Tanz bringen frischen Wind unter die kurzen Röcke der Frauen der goldenen Zwanziger. Und wie bereits bei den alten Römern macht ein flacher kleiner Busen die Männer verrückt – wiederum Aufgabe des BHs.

Knackig und prall werden die Brüste hingegen im nächsten Jahrzehnt, das den Diven-Look hervorbrachte. In Amerika wird in dieser Zeit eine Gewebefaser erfunden, die die Kleidung für darunter entscheidend verändert. Das neue Lastex, ein Gewebe aus dünnen Gummifäden, lässt es erstmals zu, den BH an die verschiedenen Oberweitengrößen anzupassen.

Unterwäsche aus Fallschirmen

Ende der 30er Jahre werden Nylon- und Perlonfäden entwickelt, doch an Unterwäsche denkt dabei erst mal niemand. Es herrscht Krieg und so werden die neuen Fasern für Fallschirme und Schwimmwesten eingesetzt. Doch viele dieser Fallschirme gehen zur Erde nieder und in der Not wird aus ihnen Unterwäsche genäht.

Am Ende der Kriegszeit und während des Wiederaufbaus in den 50er Jahren wird wieder mehr an den sinnlichen Aspekt der Unterwäsche gedacht. Aus Amerika schwappen erste Wäschekollektionen für junge Mädchen nach Europa, wobei BHs eigenartig spitz zulaufende Cups besaßen.

Verb(r)annte BHs

1961 kommt der erste Push-up-BH auf den Markt. Doch die Zeiten ändern sich und europäische Frauen werden von der Emanzipationsbewegung aus den USA erfasst. Keine Einschränkung mehr – dies bedeutet das vorläufige Aussterben des Sinnbildes der Einengung der Frau. BHs werden von selbstbewussten Frauen in der Öffentlichkeit verbrannt. Um dieser Rezession Einhalt zu gebieten, muss die Wäscheindustrie kreativ sein und entwickelt BHs aus Nylon und Tüll. Dünnere, elastischere und transparentere Dessous lassen Männerherzen, aber gewiss auch jene der Trägerinnen, höher schlagen.

Burschikos und nüchtern präsentiert sich weibliche Unterwäsche in den 70er Jahren. Nur Hippies trauen sich mehr zu und tragen flippige, bunte Dessous.

Weitaus glamouröser und eleganter wird es in der Zeit von Dallas und Denver. In den wilden 80ern sind Businesslook, tiefe Ausschnitte und edle Dessous angesagt. 1982 taucht erstmals der kleine Hauch von nichts auf, der aus den heutigen Wäscheschränken nicht mehr wegzudenken ist: Der Tanga, welcher übrigens nach einer afrikanischen Stadt benannt ist, findet sich bald überall unter Röcken und enganliegenden Hosen wieder.

Eine letzte revolutionäre Erfindung taucht 1994 wie aus dem Nichts aus: Der Wonder-Bra. Die neue Frau ist stolz auf ihre Rundungen und will sie auch dementsprechend präsentieren.

Heute ist beinahe alles erlaubt: Tüll, Netz, Rüschen und Stickereien. Lack, Leder, Pelz und Seide. Von Anbeginn der Dessousgeschichte, herrschten Schönheitsideale in den Köpfen der Menschen: Flache Brüste, Wespentaillen, dominante Hüften oder ein pralles Dekolleté. Doch etwas hat sich gehalten und wird auch in Zukunft so sein: Solange sich die Frau in ihren Dessous sexy fühlt, wird sie auch ihren Mann überzeugen können und ihn noch verrückter nach ihr machen, als er sowieso schon ist.

[kate]

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  1. Tobias