Genussreisen im Luxuzug

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Luxuszug, Orient-Express, Tangula

Zeitreisen im Luxuszug

Ja, ja es stimmt schon, während Kreuzfahrt-Urlaube derzeit der allerletzte Schrei sind, kommt bei der Erwähnung des Begriffs Zugreise nicht gerade euphorische Urlaubsstimmung auf. Als wir im Freundeskreis von unserer nächsten großen Reportage über Bahnurlaube berichten, ernten wir nur mitleidige Blicke. Zu frisch sind offenbar die Erinnerungen an die schmutzigen Interrail-Trips durch Europa, als dass jemand längere Bahnreisen tatsächlich mit Genuss verbinden würde.

Zugegeben, auch wir waren skeptisch, würde diese Art des Reisens uns tatsächlich überzeugen können? Nun, Luxuszüge wie der Venice Simplon Orient Express oder der Eastern & Oriental Express haben unsere Zweifel sehr schnell zerstreut. Oder eigentlich sehr langsam …

Denn wer mit dem Zug reist, reist gemächlich. Was wir bereits im ersten Teil unserer Reportage über Reisen in Luxuszügen festgehalten haben, gilt daher für die diesmal ausgewählten Destinationen umso mehr: Adrenalinjunkies werden bei dieser Art zu reisen wohl nicht auf ihre Rechnung kommen, jene Genussreisenden, bei denen der Weg das Ziel ist, liegen mit einer Luxusreise im Traumzug aber goldrichtig.

Nach Indien und Afrika stehen im zweiten Teil unserer Reportage über Genussreisen in Luxuszügen die Destinationen Europa und Asien auf dem Programm. Und den Anfang macht natürlich der Klassiker unter den Luxuszügen, der legendäre Orient-Express.

Venice Simplon Orient-Express

Venice Simplon Orient-Express

Allein der Name lässt wohligen Schauer über den Rücken laufen, ruft Erinnerungen an die spannenden Geschichten von Agatha Christie hervor und lässt uns von längst vergangenen Zeiten träumen.

Der erste Zug mit dem Namen Orient-Express fuhr von Paris nach Giurgiu, ab 1888 über Wien, Budapest und Belgrad bis Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Knapp 70 Stunden dauerte die über 3000 Kilometer lange Fahrt des Luxuszuges der Betreibergesellschaft Compagnie Internationale des Wagons-Lits damals.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verlor der Zug langsam an exklusivem Flair, im Vordergrund stand zunehmend die Reisegeschwindigkeit. Ab Mitte der 1980er Jahre wurde der Orient-Express dann auch als gewöhnlicher Nachtzug zwischen Paris und Budapest geführt, diese Verbindung – auch bekannt als EuroNight 468/469 – wurde allerdings im Dezember 2009 eingestellt.

Und doch lebt die Legende weiter: in Form des Venice Simplon Orient-Express, eines Touristikzuges, der Zugkreuzfahrten in nostalgischen Zuggarnituren ermöglicht. Zu verdanken ist dies James B. Sherwood, einem amerikanisch-britischen Touristikunternehmer, der alte Orient-Express Wagen erwarb und aufwändig restaurieren ließ. Während die Fahrwerke der Züge technisch am letzten Stand sind, wurde die Einrichtung möglichst originalgetreu wiederhergestellt.

In den edlen Kabinen gibt es ein Waschbecken mit heißem und kaltem Wasser, das in einer Art Schrank untergebracht ist. Die Türen dieses Schranks sind verspiegelt, ein Handtuchhalter, ein Rasierspiegel, Platz für zwei Zahnputzbecher und eine Steckdose für Elektrorasierer finden im vermutlich kleinsten Luxusbad der Welt auch noch Platz. Eine Dusche allerdings sucht man vergeblich, die gibt es im Zug nämlich nicht, gab es auch in der Vergangenheit nicht.

Speisewagen Venice Simplon Orient-Express

Im noblen Speisewagen trifft man dafür auf Luxus pur: schwere Vorhänge, dunkles Holz, edles Messing dominieren hier und versetzen den Reisenden in längst vergangen geglaubte Zeiten. Wir haben uns stilgerecht ordentlich herausgeputzt und erscheinen in Abendkleid und Smoking – Jeans trägt zu diesem Anlass niemand an Bord des Venice Simplon Orient-Express. Entsprechend dann auch das Essen selbst: hervorragend in Qualität und Präsentation und das Service der toll eingespielten Kellner ist eine Wucht.

Bevor wir in unser Abteil zurückkehren, machen wir noch einen Abstecher in den vom Designer Gerard Gallet gestalteten Bar-Wagen und genießen einen frisch gemixten Cocktail. Danach gleiten wir zufrieden in unsere frisch bezogenen Bettchen und lassen uns vom leisen Schaukeln der Waggons in den Schlaf wiegen. Nach zwei Tagen – unser Abfahrtsbahnhof war London – erreichen wir Santa Lucia, Venedig. Eine zweitägige Bahnfahrt als Zeitreise, wunderschön! Kosten: 2.300 EUR pro Person (2 Tage/1 Nacht/2er-Belegung in der Doppelkabine) inklusive Speisen.

Eastern & Oriental Express

Eastern & Oriental Express, Asien

Gleiches Unternehmen, anderer Kontinent: der Schwesterzug des Venice Simplon Orient-Express windet sich durch einige der weltweit schönsten und exotischsten Landschaften Südostasiens. Auf vier Routen durch Singapur, Malaysia, Thailand und Laos führt die Reise durch grüne Wälder, über hügelige Gebirgszüge und vorbei an historischen Sehenswürdigkeiten und faszinierenden Städten.

Auf den vier- bis siebentägigen Reisen (Singapore – Bangkok bzw. Bangkok – Bangkok) gilt es Land und Leute zu erleben, und das in einem der luxuriösesten Zügen der Welt. Unser Trip führte uns von Singapur nach Bangkok und dauerte 4 Tage/3 Nächte. Auf sämtlichen Routen ist der Besuch von Tempeln, Dörfern und Städten, sowie einem Weingut oder einer Teeplantage im Preis inbegriffen, dazu noch Ausflüge in atemberaubende Dschungelregionen mit auswärtiger Übernachtung im Luxusresort.

Maximal 60 Personen beherbergt der Zug in den eleganten Pullman-, State- bzw. Presidential-Kabinen, dazu sorgen beinahe noch einmal soviele Zugbelgeiter für das Wohl der Gäste.

Kabine im Eastern & Oriental Express

Jede Kabine ist voll klimatisiert mit Bad/Dusche, Waschbecken und WC ausgestattet und verfügt über große Panoramafenster mit herrlichem Blick auf die vorbeiziehende Landschaft. Zur Ausstattung gehören 24-Stunden-Steward-Service, internationale Steckdosen (220 Volt) und 110-Volt-Adapter für Rasierer, ein Fön sowie ein persönlicher Safe. Alle Kabinen sind äußerst geräumig und je nach Kategorie zwischen knapp 20m² und etwas über 40m² groß. Während man in den Pullman-Kabinen im Stockbett schläft, übernachtet man in den State- bzw. Presidential-Kabinen in zwei Einzelbetten.

Und wer Angst vor unruhigem Schlaf hat sei beruhigt: nachts wird man nicht durchgerüttelt, denn der Zug bleibt während der Nachtstunden stehen – damit ist sanfter Schlaf garantiert.

Neben eleganten Restaurants verfügt der Zug auch über einen Bar-, Salon- und einen offenen Panorama-Waggon, die den Aufenthalt während der Fahrt noch angenehmer gestalten. Durch die ungezwungene Atmosphäre an Bord des Eastern & Oriental Express kommt man in diesen Abteilen sehr leicht mit anderen Gästen ins Gespräch und genießt den Austausch von Eindrücken und Erlebnissen.

Auf dieser Reise haben wir 2000 Kilometer urtümliches Asien erleben und dabei Luxus pur genossen. Die beinahe epische Pracht der Landschaft Südostasiens lässt sich vom Zug aus besonders gut betrachten. Das Interieur, eine Kombination europäischer Jugendstilelemente mit reichlich fernöstlichem Chic, ist wirklich mit viel Feingefühl gestaltet worden und die exzellente Betreuung an Bord trug ihr übriges zu einem wirklich außergewöhnlichen Urlaub bei. Kosten: 2.700 EUR pro Person (2er-Belegung in der State-Kabine) inklusive Speisen und Ausflügen.

Hinweis: Sowohl der Venice Simplon Orient-Express, wie auch der Eastern & Oriental Express werden auf unterschiedlichen Strecken mit unterschiedlicher Reisedauer geführt, weshalb umfassende Preisangaben an dieser Stelle fehlen. Die Kostenhinweise für die von uns gewählten Routen dienen lediglich der Orientierung.

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