Liebeskummer – Leben auf Entzug

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Was hilft gegen die Trauer nach der Trennung ...

Was hilft gegen die Trauer nach der Trennung ...

Tina Turner fasste das Gefühlschaos, das einen nach einer verflossenen Liebe quält, treffend so zusammen: „Liebeskummer ist eine scheußliche Krankheit.“ Liebeskummer ist eine Krankheit, die einen ins Bett zwingt, nach hochkonzentrierter Schokoladen-Behandlung verlangt und Geist und Körper beeinflusst. Wie bei einer Grippe, können Aufmunterungen und Tipps von Freunden und Familie zwar ein wenig lindernd wirken, sie können einem den Schmerz jedoch nicht nehmen.

Jeder zweite leidet nach einer Trennung nach Depressionen. Kein Wunder also, dass bis ins 18. Jahrhundert Liebeskummer wirklich als Krankheit galt. Wie können Gefühle so starken Einfluss auf unser Wohlbefinden nehmen und was ist der biologische Hintergrund für diese starken Gefühle?

Liebeskrank

Ist man verliebt, werden im Körper Botenstoffe freigesetzt. Das Glückshormon Dopamin verursacht Schmetterlinge im Bauch und lässt uns auf Wolke sieben schweben. Ist es mit den Liebesgefühlen auf einen Schlag vorbei, krachen wir allerdings mit voller Wucht auf den Boden der Tatsachen. Dopamin und Noradrenalin, die selben Botenstoffe, die für die Glücksgefühle verantwortlich sind, werden freigesetzt, nur in viel größeren Mengen. Die Liebesdroge uns von einem Tag auf den anderen genommen und so leiden wir an einem ernsthaften Liebes-Entzug, der Symptome wie Schlaflosigkeit, Herzklopfen, Appetitlosigkeit, Angstzustände und Heulkrämpfe auslöst. Die Entzugserscheinungen erinnern an jene eines Drogensüchtigen und tatsächlich spielen sich ähnliche Prozesse im Gehirn ab.

Auch das ständige an den geliebten Menschen denken, kann hormontechnisch erklärt werden. Menschen, die unter Zwangserkrankungen leiden, haben einen Serotoninmangel, welcher wiederholende Tätigkeiten in Gedanken und Taten hervorruft. Personen, die ihre Liebe verloren haben, leiden an einem ähnlich niedrigen Serotoninspiegel, was sich in stundenlanger Beschäftigung mit der geliebten Person auswirkt.

Männer arbeiten, Frauen shoppen

Auch bei Liebeskummer zeigt sich, dass Männer und Frauen nicht vom selben Planeten kommen. Frauen brauchen meist länger um den Schmerz zu überwinden und sich auf eine neue Beziehung einzulassen. Durchschnittlich leiden Frauen 14,7 Monate, Männer hingegen nur 10,7 Monate nach einer verflossenen Beziehung. Männer werden jedoch meist stärker von der neuen Situation überrascht. Während sich Frauen mit ihren Freunden und ihrer Familie aussprechen, fressen Männer den Kummer oft in sich hinein.

Sie sehen durch den Verlust des Partners ihr Selbstwertgefühl bedroht, besonders wenn sie vor anderen zugeben müssen, verletzt worden zu sein. Um sich wieder besser und wertvoller zu fühlen, gehen viele Männer schnell eine Affäre ein oder stürzen sich in Arbeit. Doch irgendwann wird sich der Körper für diese oberflächliche Heilung rächen und die „kranke“ Seele kann mit Bandscheibenvorfällen, Magenproblemen und psychosomatischen Erkrankungen auf sich aufmerksam machen.

Die meisten Frauen wenden sich hingegen an ihre Freunde, sprechen über jedes kleinste Detail der Beziehung und trösten sich mit Schokolade und anderen Genüssen. Laut einer Studie trösten sich ein Drittel der weiblichen Leidenden mit Shopping oder einem Frisörbesuch.

Weg von der Droge – was hilft bei Liebeskummer?

Ist man selbst in der unglücklichen Situation Liebeskummer erleben zu müssen, hat man das Gefühl, das nichts in der Welt einem helfen kann. Die extreme Gefühlwelt, die einem beschert ist, untergräbt jeglichen klaren Gedanken. Dennoch gibt es eine paar Wegweiser, die einem durch diese schwierige Zeit helfen.

In der ersten Phase der Trennung dominieren Enttäuschung und Wut. Regel Nummer eins ist, seinen Schmerz zuzulassen. Wird der Schmerz hinuntergeschluckt, kommt er irgendwann wieder zum Vorschein. Den Gefühlen freien Lauf zu lassen ist im ersten Moment oft hart, doch Weinen und Schreien kann äußerst befreiend wirken.

Auch wenn es vor allem Männer ungern hören: Über Gefühle zu reden hilft. Richtig guten Freunden sein Herz auszuschütten, macht die Tatsache des Verlustes zwar nicht besser, aber es hilft trotzdem die Situation besser zu überstehen.

Als erste Hilfe scheint Schokolade der perfekte Seelentröster zu sein. Trotzdem sollte besser zu gesunder Ernährung gegriffen werden. Nüsse und Bananenchips sind eine kalorienärmere Alternative und helfen trotzdem das Glückshormon Serotonin aufzubauen.

In Situationen akuten Liebeskummers wünscht man sich oft nichts sehnlicher als die geliebte Person wieder zu sehen. Doch bedenkt man, dass Liebeskummer einem Entzug gleicht, wird auch klar, dass ein Treffen mit dem Verflossenen nicht helfen kann.

Auch „gemeinsame“ Orte oder Sachen, die einen an den Expartner erinnern sollten vermieden werden. Ist die erste akute Phase der Trauer vorbei und schafft man es aus seiner Lethargie zu erwachen, sollten neue Projekte angegangen werden. Dies verspricht Ablenkung und durch die Erfüllung neuer Aufgaben wird Selbstbewusstsein geschaffen.

Was tun als guter Freund?

Viele kennen die Situation nur allzu gut. Eine weinende Freundin sitzt einem gegenüber und man würde sich nichts mehr wünschen, als ihr in diesem Moment irgendwie helfen zu können. Und doch, nichts was man sagen oder tun könnte, könnte sie dazu bringen sich besser zu fühlen. Doch auch wenn es uns in diesem Augenblick nicht so erscheint: Einfach dazu sein und zuzuhören kann eine Menge bewirken. Als Tröstender neigt man gerne dazu, zuviel zu sagen und mit allerlei Kommentaren aufzuwarten. Das reicht von „Der war ohnehin nichts für dich“ bis „Auch andere Mütter haben schöne Söhne.“

Wahrscheinlich hat man nur vergessen, dass man, wenn man selbst in der Liebeskummersituation war, diese Sprüche gehasst hat. Einfach nur zuzuhören und den Leidenden in den Arm zu nehmen wird sicherlich mehr geschätzt.

Ist die erste Phase der großen Trauer vorbei, ist es an der Zeit aktiv zu werden. Ins Kino zu gehen, einzukaufen oder den Freund zum gemeinsamen Sport zu überreden sind nur einige der Möglichkeiten, um den Verlassenen von seinem Unglück abzulenken.

Wie es weitergeht

Hat man sehr an einem Partner gehangen, scheint es unmöglich, sich je wieder für einen anderen zu interessieren. An Liebeskummer Leidende neigen dazu jegliche negative Eigenschaft auszublenden und jeden neuen potenziellen Partner mit dem verflossenen zu vergleichen.

Ein gebrochenes Herz braucht Zeit zu heilen, aber nach einiger Zeit sollte ein neuer Partner in Betracht gezogen werden. Dabei gilt es nicht sich aktiv auf die Suche zu machen, aber sich nicht vollkommen vor neuen Kontakten und Beziehungen zu verschließen.

Trotz all dem Schmerz und den Leiden, die man durchlebt, hat Liebeskummer auch gewisse positive Aspekte. Es ist ein Anlass Bilanz zu ziehen und zu erkennen, was im Leben für einen wichtig ist. Man erhält die Chance sich selbst neu zu entdecken und andere Interessen und Lebensziele zu ergründen. Und die Tatsache, dass man schlussendlich diese schwierige Phase im Leben durchgestanden hat, kann einen auf jeden Fall selbstbewusster machen.

[kate]

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