Die Pille danach

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Notfallverhütung "Pille danach"

Die Pille danach als Notfallverhütungsmittel

Auch die sexuelle Revolution samt großflächiger Aufklärung durch Doktor Sommer & Co. konnte nicht verhindern, dass Verhütungspannen immer wieder passieren. Ob nun die Pille nicht rechtzeitig eingenommen wird, das Diaphragma verrutscht, das Kondom platzt oder im Taumel der Leidenschaft einfach nicht an Verhütung gedacht wird, unvorhergesehene Sex-Pannen verursachen zumeist Panik. Rasche Abhilfe winkt in solchen Fällen aus der Apotheke: die „Pille danach“ – eine Art Feuerwehr bei Verhütungspannen.

Die bei weitem am häufigsten eingesetzte Methode der Notfallverhütung ist die sogenannte “Pille danach”. Sie muss innerhalb eines bestimmten Zeitfensters nach dem ungeschützten Verkehr angewendet werden. Nur dann unterbindet sie mit hoher Wahrscheinlichkeit die Befruchtung bzw. die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutter.

Die “Pille danach“ – was ist das eigentlich?

Das Präparat enthält Levonorgestrel, ein Gelbkörperhormon, das auch in vielen Antibabypillen enthalten ist. Ihre empfängnisverhütende Wirkung entfaltet die “Pille danach“ dadurch, dass sie den Eisprung verhindert. Wichtig: Sobald der Prozess der Einnistung der Eizelle begonnen hat, ist diese Methode, die überdies nichts mit der umstrittenen Abtreibungspille zu tun hat, unwirksam.

Gefährliche Hormonbomber?

Die modernen Präparate haben mit den früher üblichen “Hormonbomben“ kaum noch etwas gemein. Dennoch enthält die Pille eine hohe Dosis des Schwangerschaftshormons Gestagen, weshalb viele Frauen nach Einnahmen nicht selten unter Übelkeit oder Erbrechen klagen. Seltener treten Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, ein Ziehen im Unterbauch sowie ein Spannungsgefühl in den Brüsten auf. All diese Nebenwirkungen sind aber nur von vorübergehender Dauer und verschwinden nach ein bis zwei Tagen wieder. Schwere Gesundheitsrisiken sind bei der „Pille danach“ nicht bekannt.

Sex- Panne? Wie verhalte ich mich richtig

Die “Pille danach“ ist eine Tablette, die so schnell wie möglich nach dem ungeschützten Verkehr eingenommen werden sollte. Die Wirksamkeit der Pille nimmt im Zeitverlauf ab.
Je früher man die erste Pille nach der Verhütungspanne einnimmt, desto höher ist auch die Sicherheit. In den ersten 24 Stunden ist eine Wirksamkeit der “Pille danach“ von 95 % nachgewiesen. Nach 24 Stunden sind es aber nur noch 85 %, und zwischen 48 und 72 Stunden verspricht sie nur noch eine Wirksamkeit von 58 %.

Und dann…?

Nach der Einnahme der “Pille danach“ kommt es üblicherweise zur gewohnten Regelblutung. In seltenen Fällen kann die Regel ein paar Tage früher oder später einsetzen, auch die Intensität kann variieren. Sollte die Regel allerdings länger als fünf Tage ausbleiben oder schwächer sein als gewohnt, sollte man zum Arzt gehen.

Wie komme ich zur Pille danach?

Die „Pille danach“ ist in Deutschland, im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern, rezeptpflichtig. In Österreich hingegen ist sie seit einigen Monaten auch ohne Rezept erhältlich. Jedenfalls empfiehlt es sich, unabhängig von einem konkreten Anlassfall mit dem Hausarzt, Gynäkologen oder einem Arzt in einer Beratungsstelle oder einem Krankenhaus darüber zu sprechen.

Präparate

Insgesamt gibt es drei Anbieter der “Pille danach“, deren Produkte eine gleichartige Wirkungsweise haben und sich im Wesentlichen nur durch die Anwendungsdetails unterscheiden.

* Duofem von Hexal besteht aus 2 Tabletten, die innerhalb von 72 Stunden oral eingenommen werden müssen.
* Levogynon aus dem Haus Schering bietet 2 Tabletten an, die zusammen frühestens nach 12, spätestens nach 72 Stunden zu sich genommen werden.
* Unofem besteht aus einer Tablette, diese sollte so schnell wie möglich nach dem Missgeschick eingenommen werden.
Kosten: ca. 15 Euro

Was ihr sonst noch wissen solltet

→ Die “Pille danach“ ist ein absolutes Notfallsverhütungsmittel, da die Sicherheit nach häufiger Einnahme abnimmt und die Nebenwirkungen stärker sind. Im Vergleich zu konventionellen Verhütungsmitteln ist sie zudem recht teuer. Sie sollte nicht öfters als einmal pro Zyklus eingenommen werden.

→ Die „Pille danach“ ist keine Abtreibungspille wie z. B. das Mifegyne. Sie wirkt nicht, wenn sich das Ei bereits in der Gebärmutter eingenistet hat, da ihre Wirkungsmöglichkeit mit der Einnistung endet. Eine Gefährdung für das ungeborene Leben besteht bei der Einnahme des Medikamentes nicht.

→ Bestimmte Arzneimittel könne die Wirksamkeit verringern oder gar aufheben, z. B. Antibiotika, Virostatika, einige Mittel gegen Epilepsie sowie Arzneimittel auf Basis von Johanniskraut.

→ Wenn man nach Einnahme der Pille erbrochen hat, ermöglicht höchstens die Einnahme einer weiteren Pille die erhoffte Wirkung – hierbei ist allerdings die Konsultation eines Arztes ratsam.

→ Für Patientinnen, die die Einnahme einer derart hohen Hormondosis ablehnen, steht als Alternative die „Spirale danach“ zur Verfügung, die allerdings von einem Gynäkologen innerhalb von fünf Tagen nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingesetzt werden muss.

[red & nipete]

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