Hart aber herzlich: Lustgewinn durch Schmerzen

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BDSM & Co. - Sexuelle Luststeigerung nicht Quälerei

BDSM & Co. - Luststeigerung nicht Quälerei

Algolagnie, Lustschmerz

1892 tauchte der Begriff Algolagnie (griech. algos- Schmerz und lagneia- Wollust) zum ersten Mal, als klinisches Kunstwort in Schriften auf, um die Lust am Erfahren und Zuführen von Schmerzen zu beschreiben. Bereits 1887 verwendete Krafft- Ebing das Wort Masochismus, um die passive Algolagnie und Sadismus, um die aktive Algolagnie zu beschreiben. Beide Begriffe finden heute noch Verwendung.
In der BDSM- Szene legt man allerdings auf die Unterscheidung zwischen Algolagnie und Lustschmerz großen Wert.

Menschen mit Algolagnie empfinden Schmerzreize generell als lustvoll, unabhängig von Situation und Umgebung. Beim Lustschmerz hingegen spielt auch die psychische Komponente (Rollenspiel, Spielsituation, Dominanz, usw.) eine zentrale Rolle. Schmerzen werden daher nur in bestimmten sexuellen und Rollenspielen- Kontexten als lustvoll empfunden.

BDSM

Der Begriff BDSM setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism zusammen.
BDSM umschreibt eine sehr vielgestaltige Gruppe von meist sexuellen Verhaltensweisen, die unter anderem mit Dominanz und Unterwerfung, spielerischer Bestrafung sowie Lustschmerz oder Fesselungsspielen im Zusammenhang stehen. Weitere Bezeichnungen für BDSM sind Kinky Sex oder Ledersex. BDSM wird von allen Schichten der Gesellschaft praktiziert und kommt sowohl bei heterosexuellen Personen als auch bei homosexuellen Männern, Frauen und Transgendern vor.

Historische Wurzeln

Aus einem etruskischen Grab in Tarquinia (Grab der Züchtigung, Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr.) stammt eines der ältesten grafischen Zeugnisse sadomasochistischer Praktiken. Am Grab sind zwei Männer dargestellt, wie sie eine Frau beim Liebesspiel mit einer Rute und mit der Hand schlagen. Anekdotische Erzählungen über Menschen, die sich im Rahmen des Vorspiels oder als Ersatz für Sex freiwillig fesseln oder auspeitschen ließen, reichen bis ins 3. und 4. Jahrhundert zurück. Das Kamasutra dürfte den ersten schriftlich überlieferten Text über SM- Praktiken und Sicherheitsregeln darstellen. Weitere Texte mit sadomasochistischen Bezügen tauchten im Laufe der Jahrhunderte weltweit immer wieder auf.

Während der 50er und 1960er Jahre des 20. Jahrhunderts produziert Irving Klaw die ersten Reklamefilme und Fotografien mit BDSM- Motiven und veröffentlicht Comics der heute berühmten Bondage Künstler John Willie und Eric Stanton. Seit ungefähr Mitte der 90er- Jahre sind einige Elemente des BDSM, durch die gesteigerte Medienberichterstattung popularisiert worden. So etwa schwarze Lederbekleidung, das Piercing, als auch sexuelle Spiele wie Fesseln und Dominanz- Rollenspiele.

Allgemeine Spielregeln

Viele Anhänger des BDSM betrachten die Ausübung von BDSM in ihrer Sexualität als Erotisches Rollenspiel. Die Durchführung eines solchen Spiels wird als Session bezeichnet. Das Wort Scene wiederum (englisch für Szene) meint den Inhalt und die Umstände des Spieles. Grundlage des BDSM ist das mündige gegenseitige Einverständnis, das durch den Verhaltenscodex SSC:

T-Shirts für Subs & Doms

“Safe, Sane and Consenual“ ausgedrückt wird. Dies bedeutet soviel wie „sicher, vernünftig und im gegenseitigen Einverständnis.“ Neben einem vorherigen Gespräch über die Wünsche und Grenzen der Beteiligten wird ein Sicherheitswort “Safeword“ vereinbart, durch da die Handlung zu jeder Zeit unverzüglich unterbrochen oder abgebrochen werden kann.

Gewöhnlich unterscheidet man zwischen einem aktiven, dominanten Partner, der als Top bezeichnet wird und einem passiven, unterwürfigen Partner, dem Bottom oder auch Sub. Es ist üblich, dass die Partner zwischen den beiden Rollen “switchen“ (=wechseln).

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Überblick der Praktiken von A-Z:
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Anal: Analverkehr und andere Spielarten, z.B. Spiele mit Dildos, Fisting, Klistier und anderes.

Andreaskreuz: X-förmiges Kreuz, an welches der Bottom mit Vorder- oder Rückseite gebunden wird.

Atemreduktion: Hierbei wird dem Bottom (meist mit Hände) die Luftzufuhr abgeschnitten bzw. eingeschränkt

Bastinade: Schläge auf die Fußsohlen

Blindfold: Augenbinde, aus Stoff, Leder etc.

Bondage: Fesselung – allgemein mit Seilen, auch mit Zuhilfenahme von Ledermanschetten, Handschellen usw.

Branding: Hinzufügen von bleibenden Narben durch glühendheißes Metall, als Schmuck oder zur Kennzeichnung

Brustwarzentorture: Das Malträtieren der Brustwarzen mit Hilfe von Kneifen, Fingernägeln, Ansaugen, Brustklammern…

Cat O’Nine Tails: „Neunschwänzige Katze“, Peitsche mit mehreren (z.B. neun) Riemen

CBT- Hodentorture: Eine Torture an den Hoden durch Kneifen, Schlagen, Abbinden…

Dehnungsspiele anal: Das Dehnen des Anus mit Hilfe von Fingern und Toys

Cunnilingus: Oralsex, vollzogen bei einer Frau

Cutting: Schneiden und Ritzen der Haut, als Schmuck, als Schmerz-zu-Lust-Erfahrung, für Blutspiele und andere Zwecke. Vorzugsweise mit Rasierklingen, auch mit Skalpellen

Diskreditierung verbal: Absolut harscher Ton bis hin zur Fäkalsprache

Elektro: Spiele mit elektrischem Strom

Englisch: Erziehung mit dem Rohrstock

Fellatio: Oralsex, vollzogen bei einem Mann

Fisting: Einführen aller fünf Finger in Vagina oder Po

Flag oder Flagellation: Schlagen mit Gerten, Peitschen, Rohrstöcken usw.

Facesitting: Mit Genitalien auf dem Gesicht sitzen

Heißer Wachs: Das Übergießen bestimmter Körperbereiche mit heißen Wachs

Klinikinstrumente: Das Verwenden von Trichter, Spekulum, Bandagen, Klinikhandschuhen

Paddle: Schlaginstrument

Reitgerte: Lederschlaginstrument aus dem Reitsport

Spanking: Schlagen von Hand

Spitting: Anspucken

Tawse auf Hand und Genitalien: Lederschlaginstrument

[nipete]

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