Hamam – Badefreuden wie in 1001 Nacht

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Orientalisch-exotisches Badevergnügen

Orientalisch-exotisches Badevergnügen

Ein Wechselbad der Gefühle im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein Hamam ist ein Bad der etwas anderen Art, das Körper und Geist in Einklang bringt. Hamam ist eine Komposition aus Licht, Wärme, Schaum, Düften, Feuchtigkeit und Berührungen, also ein Ritual, dass die Seele berührt und den Körper reinigt.

Zauber aus 1001 Nacht, belebende Düfte, entspannende Reinigung für Körper und Seele – das sind Worte, mit denen sich diese Erfahrung nur erahnen lässt. Das arabische Wort „hamam“ bedeutet eigentlich wärmen, steht aber für mehr als nur das. Das Hamam (auch Hammam) beginnt nämlich schon beim Ablegen der Kleidung.

Der Raum in den Mann/Frau die Hüllen fallen lassen heißt „Camekan“. In öffentlichen Bädern machen sie das getrennt voneinander, das heißt in einem öffentlichen Hamam gibt es Frauentage und Männertage, bei privaten Badevergnügen passiert dies auf Wunsch.

Das Ritual

Bekleidet mit einem Hüfttuch – dem sogenannten Pestemal – türkischer Naturseife aus Olivenöl und einer Messingschale – der Tas – tritt Mann/Frau die entspannende Reise, in der die Sinne neu belebt werden, an. Als erstes gilt es den Alltagsschmutz abzuwaschen und reinen Körpers die Reise fortzusetzen. Danach lässt Man/Frau sich vom Bademeister „Tellak“ oder der Bademeisterin „Natir“ ins Dampfzimmer „Hararet“ führen.

Hier beginnt die wirklich heiße Phase, denn im Hararet hat es an die 38 Grad Celsius. Diese Wärme hilft dem Körper sich zu entspannen und öffnet auch die Poren, damit der Reinigungsprozess der Haut beginnen kann. Muskelverspannungen jeder Art werden auch hier durch die Wärme gelöst und der Körper wird in eine Art Trance versetzt, die man mit einer vollkommenen Loslösung jeder Verspannung beschreiben könnte. Oft spürt man hier durch Massagen oder sanfte Berührungen die vollkommene Entspannung des Körpers.

Für die intensive Reinigung des Leibes ist ein Ganzkörperpeeling zu empfehlen, welches, in Kombination mit der Wärme, der Haut nur gut tun kann. Dabei werden mit einem Peelinghandschuh aus Ziegenhaar – „Kese“ genannt – die abgestorbenen Hautzellen abgetragen und die Durchblutung des Gewebes gefördert. Diese Reinigung passiert im Wechsel mit Wassergüssen, damit sich die Poren öffnen können und die Hautatmung dadurch verbessert wird. Auch die Haut dankt es mit einem seidigen und glatten Teint. Nach dem Ganzkörperpeeling ist die etwas anstrengende aber wirksame Massage mit Seifenschaum die Beste Methode die gereinigte Haut ein bisschen zu verwöhnen. Die Massage wird wie auch das Peeling durch Wassergüsse aufgelockert.

Die Reise endet im letzten Raum – dem „Sogukluk“. Nach dieser Intensivreinigung, dem Schwitzen und Abkühlen braucht der Körper Flüssigkeit und Ruhe. Hier besteht die Möglichkeit Wasserpfeife zu rauchen um seine Sinne auf eine weitere entspannende Entdeckungsreise zu schicken, traditionellen schwarzen Tee „Cay“ zu trinken oder auch den Flüssigkeitsverlust durch „Ayran“ – einem türkischen Joghurtgetränk – auszugleichen. In manchen Hamams besteht auch hier die Möglichkeit etwas zu essen, beispielsweise etwas Obst, das nicht nur vitaminreich sondern auch sinnlich sein kann.

Sinnlichkeit und Exotik

Zwei Eigenschaften, die die 800 Jahre alte türkische Badekultur in sich vereint hat. Das Hamam hat sich aus dem griechisch-römischen Bad entwickelt, dass schon die Byzaniter zu schätzen wußten. Ihren Ursprung, wie sie auch heute noch praktiziert wird, findet die Kultur in Mittelanatolien und Istanbul, wo die meisten Bäder noch zu finden sind. Im Laufe der Jahre hat sich aber die Kultur verbreitet und ist nun auch vermehrt in Westeuropa beliebt. Dank des Reinlichkeitsgebotes des Islams waren die Bäder früher schon ein begehrtes Mittel sich vom Schmutz des Alltags zu befreien. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

Damals wie heute ging es nicht nur um das Ritual des Badens selbst, sondern auch um das Quatschen, Beobachten und auf andere Gedanken kommen, ganz weit weg von Stress, Arbeit und der Routine, die manchmal den letzten Nerv rauben kann. Es war und ist ein Ort, wo Ruhe und Unterhaltung sich nicht ausschließen, ein Ort des Gesprächs und der Verschwiegenheit, ein Ort wo Menschen in Einheit freie Zeit genießen können.

Der gemischtgeschlechtliche Hamam ist eine reine Touristenattraktion und weder in der religiösen Bestimmung des Islam vertreten, noch im Orient praktiziert. Obwohl dieses sinnliche Vergnügen tief mit der eigenen Körperlichkeit verwurzelt ist, so sind doch bestimmte Regeln des „gemeinsamen“ Badens einzuhalten, vor allem wenn es sich um ein Hamam handelt, wo beide Geschlechter zur gleichen Zeit willkommen sind.

So ist eine Störung während der Wasch- und Entspannungszeremonien bei Männern und Frauen äußerst unwillkommen und wird vermieden, damit die Reise nicht durch lästige Alltagssituationen unterbrochen wird. Nach dieser einzigartigen Erfahrung fühlt Mann/Frau sich nicht nur körperlich rein sondern auch im Einklang mit sich selbst und seiner Umwelt.

[maza]

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